




Herkunft:
1988 // aus Westpaket
Aus dem Bilderarchiv:

1988 // v.r. Oma in Trigemajacke, Mama, Jule, Opa, Ich in Papas Jacke. Auf Usedom, erster Urlaub in der Finnhütte von Omas Betrieb: Autobahnbaukombinat
Geschichte:
Diese Jacke der Sportmarke Trigema ist eigentlich eine Herrenjacke und gehörte einst dem ersten Mann von Anita Finkbeiner, einer Bekannten aus Westdeutschland. Ihr Mann hieß Uli Finkbeiner und war Markler. Leider verstarb dieser in jungen Jahren und auf tragische Weise an einem Virus, den er sich vermutlich in Malaysia eingefangen hatte.
Nach und nach verschenkte Anita Finkbeiner die Kleider ihres verstorbenen Mannes an Verwandte und Bekannte und bedachte auch Oma und Familie in Form eines Kleiderpakets. So kam unsere Familie in Besitz dieser Trigemajacke und zweierlei Poloshirts von Lacoste. Die Kleidung war hochwertig in Schnitt und Stoff, richtige Markenware eben. Doch Marke hin, Marke her, Opa mochte die Jacke nicht leiden und Christiane fand sie uncool. Da nahm die liebe Oma, die den Tragekomfort der Jacke sofort erkannte, diese an sich und trug sie gerne und oft. Noch heute schwärmt sie von der leichten aber wärmenden Jacke, die so schön kuschelig mit ihrem weißen Frotteefutter, jeder Meeresbrise standhielt. So war die weiße Trigemajacke, eigentlich ja für Herren, Omas treuster Begleiter bei allen Spaziergängen in Windstärken von 0 bis 10 und hüllte sie stets sportlich anmutend in Wärme und Wohlgefallen, wenn diese nur in die Nähe eines Meeres kam.
Schweren Herzens trat Oma, nach etlichen Überredungsversuchen, ihre geliebte Trigemajacke an die nervende Enkelin ab.



oben // die liebe Jacke war oft getragen und halb demoliert, ich verarzte nach allen Regeln der Kunst und nähe alte Wunden zu






oben // nun folgen 52 Stunden maritime Stickerei in neon, das Innenfutteraquarium füllt sich stetig

oben // ein Fisch kommt selten allein






oben // auf den ersten Blick scheint die liebe Jacke immernoch die alte, obgleich repariert und aufpoliert, Innen aber toben die Fische mit den Quallen und feiern ein kleines, feuchtfröhliches Fest






oben // Meeresbrisenwendejacke gewendet, alle Meerestiere sind außer Rand und Band, bekommen sie doch nicht jeden Tag Frischluft an die Kiemen





oben // fertige Meeresbrisenwendejacke
Transformation:
Wie bereits erwähnt, war die liebe Jacke ursprünglich eine sportliche Windjacke für Herren.
Oma ignorierte forsch alle Geschlechterrollen und gewöhnte die Trigemajacke an weibliche Rundungen. Daher ist die Jacke heute unisex und freut sich über alle Träger ganz vorbehaltslos, egal ob Männlein oder Weiblein. Doch braucht die Jacke zum Überleben eins mehr denn alles andere, nämlich den Wind in all seinen Varianten und Ausführungen und, nicht zu vergessen, ab und zu ein wenig Meeresbrise. Wenn dies der Jacke nicht vergönnt ist, geht sie ein und erkrankt ganz fürchterlich. Das merkte ich deutlich, denn sie war schon halb zerschunden, als ich sie zuletzt in den Händen hielt. Meine Schwester hatte sie ausgeliehen und nur ganz leicht vernachlässigt, schwups, schon riss eine Naht und der Verfall begann. Nun kann man sie ja reparieren die Jacke und austragen, wenn ein Wind um die Häuser pfeift aber nicht immer ist ein Meer zur Stelle, welches die Jacke mit einer kräftigen Meeresbrise stärkt und alt werden lässt. Was tun?
Eigentlich ganz einfach, wenn die Jacke nicht zum Meer kommt, muss das Meer eben zur Jacke kommen. So dachte ich und begann, noch guter Dinge, eine neonfarbene Unterwasserwelt ins weiche Frotteefutter der Jacke zu sticken. Nach fast 4 Tagen Stickmarathon musste ich pausieren, denn meine Finger waren kaputt und ich schraubte, mein Ziel, dass komplette Innenfutter in ein Meeresaquarium zu verwandeln runter auf unzählige Fische, Quallen und exotische Meeresbewohner, die nun (nur) den unteren Teil des Innenfutters bewohnten, dies aber wenigstens einmal rundherum.
Sobald der letzte Stich getan, atmete die Jacke auf und sah sogleich viel jünger und frischer aus, wie aus der Kur. Die bunten, unzähligen Meerestiere tummelten sich im Innenfutter und versprühten eine ganz leichte, kaum merkliche aber konstante Meeresfrische. Einfach wunderbar.
2 Kommentare:
Hey, das mit dem Gestickten innendrinne find ich super :)
hornhautfinger?
ich möchte den fischen bitte namen geben!
und: selbe farbe = eine familie?
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