Samstag, 29. Dezember 2007

Produkt Nr.1: Sattelwärmer



Herkunft:
1976 // aus Westpaket
Geschichte:
Dieser Mantel wurde von Oma kaum getragen und seinem ursprünglichen Sinn und Zweck, nämlich den eines Morgenmantels für
Haus und Heim, schnell zweckentfremdet. Als Arbeits- und Putzmäntelchen wärmte er Omas Körper an wärmetechnischen Übergangstagen bei hausfraulichen Arbeiten in Haus und Hausgarten. So erlebte dieses Mäntelchen mehrere Sauerkirschernten, diverse Einkoch- und Umtopfaktionen, Blumen- und Pflanzenverschnitte und hielt einen engen Kontakt zu allen Zimmerpflanzen und Gießkannen in Omas Haus. Mit großer Gewissheit kennt dieser Steppmorgenmantel auch Omas Keller in und auswendig. Besonders die Waschküche müsste ihm in guter Erinnerung bleiben.


oben // der Sattel bekommt ein Kleidchen


oben // der Sattel + Wärmer in allen Lebenslagen


oben // kritische Beäugung und Verbesserungsmaßnamen in Form von Abnäher und Initialieneinstickung
Transformation:
Immer in Haus und
Hof unterwegs, wenn nicht im Schrank oder auf der Wäscheleine hängend, soll Omas kleiner, abgenutzer Steppmorgenmantel mit unbekannter Westherkunft den Osten neu entdecken.
Ab dem Jahr 2008 wird er unter meinem Popo auf einem alten flüchtigen Bekannten (Klappfahrrad) die Straßen und Wege unsicher machen und Dank seiner wärmenden Steppung mir und dem Klapprad den Sattel wärmen und lästigen Blasenentzündungen vorbeugen. Recht mädchenhaft zwar, Dank rosa Schleifchen, wird dem Morgenmäntelchen bald frischer Fahrtwind um die Nase wehen. Das Mädchenhafte wird das Mäntelchen mir wohl nicht übel nehmen, da sein blumiges Muster und sein frauenhafter Mantelschnitt wohl kaum schon jemals einen männlichen Körper ummantelt haben.Gewohnheitssache also. Und bei soviel Transformation wollte ich dem Mäntelchen dann wenigstens diese alte Gewohnheit lassen. Das rosa Schleifchen stammt übrigens von einem blöden rosa Strickwickelpulli aus dem 21. Jhr. und ist sichtlich froh, diesem unpraktischen Wickeldingsbums entkommen zu sein. Flatternd, wehend und endlich vereint mit seinem Geschisterchen von der anderen Seite des Wickeldingsbums, blickt es voll freudiger Erwartung in eine bessere Zukunft und wird sich wohl hoffentlich mit dem Mäntelchen und Fahrrad gut vertragen.

kleine Info // Wenn man auf die einzelnen Bilder klickt, öffnet sich die Großansicht.



2007 // ab jetzt nähe ich hier in meinem Arbeitsraum Tag ein, Tag aus, Tag aus, Tag ein, ...

Donnerstag, 27. Dezember 2007



1985 // Ich an meinem 3. Geburtstag in Weimar

Selbstbewusstsein ist gerade aus dem Urlaub zurück


...und lässt mich erhobenen Hauptes wieder nach vorne schauen.
Noch heute werde ich mein erstes Kleidungsstück aussuchen und einen Transformationsplan für dieses erstellen.
Morgen bei Tageslicht wird dokumentiert und transformiert und dokumentiert und transformiert und ganz nüchtern alles auf den Blog gestellt ohne privates, sentimentales Rumgeheule. Versprochen.

P.S. An alle Blogleser nachträglich ein frohes Weihnachtsfest und vorträglich einen guten Rutsch ins Jahr 2008.
Mein Bachelorjahr. Yeah.

Schwerpunkt?


Nach 1 Stunde völligster Verzweiflung, Tränensackentleerung und neuer Flüssigkeithaushaltsregulierung, habe ich mir ein Herz gefasst und das getan, was ich immer mache, wenn ich nicht mehr weiter weiß: schreiben.
Diesmal mein Thema: Schwerpunktsetzung meiner Arbeit, ausgeführt in zwei Ansätzen (immerhin nur zwei).


1. Familiengeschichte(n)

Erinnerungen weitergeben durch Mode, durch Geschichten, Familiengeschichte(n): Geschichten erzählen, aber wie?
Familiäres Museum. Persönliches Museum. Zitiertes Museum, musealer Raum. Persönliches Museum. Mehrere Stationen:
chronologisch sortiert?,
Dokumentarisch sortiert?,
Eine Wand reine Doku?,
Sitzen, Stehen, Essen?
Installationaler Raum, Installationen, Technik, Sound, Bild, Beamer?
Installativer Showroom – ich arbeite Vorort, gestalte Vorort. Performance.

Vorsicht: Voyeuristische Gefühle sind beim Besucher unangenehm. Wie kann ich das umgehen? Etwa durch einen performativen Auftakt. Kann durch Performance umgangen werden.
Herr Prof. Kissel: "Wenn sowieso Ladengeschäft, warum dann nicht Schaufensterperformance?
Besucher stehen draußen, Ton muss rausgelegt werden. Besucher schauen von draußen hinein, ins hell erleuchtete Schaufenster, wo die Performance stattfindet."

Mögliche Performance: Ich präsentiere jemanden
aus meiner Familie im hell erleuchteten Schaufenster meine Arbeiten und transformierten Dinge. Es muss jemand sein, der damit ebenfalls Erinnerungen verknüpft und wir darüber ins Gespräch kommen. Bester Kandidat hierfür: Oma Annemarie.
Sinn und Zweck der Performance: die Zuschauer werden auf theatralischer Weise in die Thematik eingeführt. Das Schaufenster ist wie eine Theaterbühne und das Publikum fühlt sich dann beim Museumsbesuch und Geschichten nachlesen nicht so, als würde es in meinen ganz privaten Familienangelgenheiten herumschnüffeln. Ihnen werden die Familienangelegenheiten auf einer Bühne bereits dargeboten und der voyeuristische Aspekt wird somit unterdrückt, bzw. gebändigt.
Herr Prof. Kissel: "Private Momente kommen besser rüber wenn das Publikum draußen im Dunkeln steht."
Meine Arbeit darf nicht bloßstellen, sondern muss Nähe erzeugen. Ich will Nähe erzeugen. Das Publikum muss sich meiner Arbeit nahe fühlen, eigene Erfahrungen und Familiengeschichten aufrufen beim Betrachten meiner Arbeiten.

Familyfashion. Familybusiness.
Der Reiz: private, vergangene Welt wird nach außen gestülpt.


2. Das Produkt und die Transformation

Das Produkt soll für sich alleine stehen können. Performance eher nebensächlich. Das Produkt soll von sich aus Überzeugen.
Ist mein Produkt zwingend anwendbar, tragbar?
Entspringt mein Produkt dem Schoße der Kunst, kann es demnach untragbar und skuril bleiben? Ein Ding des intuitiven Moments? Kein Gebrauchsgegenstand?

Wie gehe ich mit Oberflächen um?
Bei einem alten Gegenstand, der schon viel erlebt hat, werden Geschichten nicht am ehesten über seine Nutzungsfläche, Abnutzung erzählt?
Abnutzungsstellen, Abnutzungsflächen.
Wie kann ich hiermit spielen?
Bsp. Eine Abgenutzte Stelle nicht durch einen neuen Stoff ersetzen sonder durch einen neuen, ebenfalls abgenutzten Stoff. Geschichten!

Die Transformation der verschiedenen Stücke soll individuell und intuitiv entschieden werden. Kein einheitliches Konzept wie: Ich Bessere Dinge aus, oder ich sticke überall ein K wie Katrin drauf.

Wo ist das narrative Element? Wie hängt hier alles zusammen?
Herr Prof. Kissel: "Änderungsschneiderei".
Vorteile: Arbeitsprozess kann performativ dargestellt werden. Raum eingerichtet wie eine typische Einwanderer-Änderungsschneiderei (mit Schlafplatz und Kochecke). Ich nähe und transformiere Vorort. Zeige so den Transformationsprozess.
Hier: Erinnerung, Familiengeschichten bleiben außen vor.


tick tick tick ... panik panik panik


Das liebe Weihnachtsfest ...
Ich wusste ja, dass Weihnachten eine kleine Zeitraubmaschine ist, aber dass es mich so raus wirft hätte ich nicht gedacht. Ich habe das Gefühl wieder am Anfang zu stehen. Mein schlechtes Gewissen und meine innere Uhr hämmern in meinem Kopf und ich muss mich anstrengen, um das Glas als halb voll und nicht als halb leer zu betrachten. Ich halte nichts in meinen Händen außer einer halbfertigen Idee von irgendeinem Gefühl.
Ich habe Angst und in meinem Wochenplan für die Woche 52 steht überall: JETZT LOS!
Hoffentlich hilft das.

Donnerstag, 13. Dezember 2007

was rausgefunden in der BIB?


1x pdf mit allen Bibliotheksrecherchen zum Thema 'Revival', 'Retro', 'Vintage' und 'Second-Hand'

Dienstag, 11. Dezember 2007



1988 // v.r. Oma, Mama, Jule, Opa, Ich in Papas Jacke. Auf Usedom, erster Urlaub in der Finnhütte von Omas Betrieb: Autobahnbaukombinat

mein Problem ...


...und ich bin immer noch in der Experimentierphase.

Die Bilder in meinem Kopf verdichten sich. Ich bekomme ständig neue Impulse und Ansatzpunkte, ausgelöst von Momenten in meinem Leben oder Menschen, mit denen ich über meine Arbeit rede. Festgestellt habe ich, dass jeder, ob Professor, Student oder Normalmensch, meine Arbeit, bzw. mein Vorhaben anders begreift, assoziiert und ganz individuell Schwerpunkte setzt.
Ich freue mich natürlich darüber, weil das Ganze zwei große Vorteile für mich birgt:
a) das Thema interessiert also doch und bringt individuelle Bilder und Assoziationen hervor,
b) durch Diskussionen mit verschiedenen Personen werde ich auf neue Sichtweisen aufmerksam.
Nun ist das ja alles schön und gut. Aber wo Vorteile sich tümmeln, sind die Nachteile nicht weit.
So hört ein großer Nachteil auf den Namen 'Verunsicherung', der andere nennt sich fragend 'Katrin, was willst du eigentlich?'.
Ich merke, dass ich unsicher werde, wenn mich jemand fragt: 'Liebe Katrin, wie stehts denn eigentlich mit deinem Bachelor? Erzähl doch mal!' und dann würde ich am liebsten sagen: 'Naja, ist noch in der Experimentierphase.' Fertig.
Da aber die meisten sich nicht damit zufrieden geben, fange ich dann breit flächig an, alle möglichen Konstellationen und Schwerpunktverschiebungen möglichst verwirrend zum Besten zu geben, welches bei meinem Gesprächspartner dann immer wunderbar den Eindruck hervorruft, dass ich eigentlich total ahnungslos, hilflos und verlassen da auf irgendwas zusteuere, was zwar ganz nett aber nicht der Knaller ist. Und ich will einen Knaller!
Ach ich weiß auch nicht, vielleicht hilft mir eine nüchterne, kleine Liste mit verschiedenen Schwerpunktspalten damit ich endlich Stellung beziehe. Auf der einen Seite bin ich reichlich verwirrt und könnte zum jetzigen Zeitpunkt niemanden wirklich erklären was ich da genau machen will. Auf der andren Seite hält sich die Angst, dass ich auf dem Holzweg sein könnte reichlich in Grenzen. Ich bin sogar immer noch fest davon überzeugt, dass ich das alles gut bis sehr gut hin bekomme. Aber Zweifel sind natürlich immer da. Die bleiben nie zuhause. Leider.

Als gute Tat dieser vierten Bachelor Woche zählt eine Unterhaltung mit einer ganz bestimmten Person.
Dieser Unterhaltung fieberte ich schon knapp zwei Wochen entgegen und durch meine unerschrockene Persistenz auf telefonischer Ebene, war ein Tag vor Nikolaus ein kurzfristiges Treffen möglich.
Herr Prof. Wolfgang Kissel willigte, nach meinem leicht konfusen Vorstellungsgespräch dennoch ein, mein zweiter Betreuer zu sein. Ich freue mich aufrichtig und sage: Danke.
Herr Kissel, Prof. für Medienereignisse an der BUW, hatte dann auch sogleich mehrere diverse und für mich sehr interessante Assoziationen zu meiner Arbeit parat und sieht nun abschließend meine Bachelorarbeit unter neuem, folgendem Namen: Änderungsschneiderei.
Ok. Ebenfalls ein Schwerpunktansatz der abzuwägen bleibt.

Mittlerweile war ich auch zum zweiten mal bei Oma.
Ich habe wieder gefilmt, sie hat wieder erzählt. Wir haben Fotos angeschaut und alles war schön und nett.
Dann kam überraschend meine Tante Christiane, mit Klein-Jonas (1) und ihrem Mann Henri, angeheiratet aus der Dom Rep, vorbei. Es ging um Erkältungen und Medikamente, alles war hektisch und der Ofen war aus. Ich stand da mit mal wieder nur 20min Filmmaterial, dafür aber mit Fotografien aus Omas Album. Wenigstens etwas, aber nicht zufriedenstellend. Dazu kam, dass Opa (90) auch erkältet war, eine tiefere Stimme als ein Bariton hatte und er nicht zuletzt von so plötzlichen Müdigkeitsanfällen überrumpelt wurde, dass Oma und ich Angst haben mussten, dass er im Schlaf vom Stuhl kippt. Also viel Aufregung, wenig Ruhe und bei mir meldete sich auch gleich ganz brav und zum wiederholten Male das schlechte Gewissen, ob ich Oma (78) mit meiner kleidertechnischen und narrativen Ausbeuterei nicht doch zuviel aufhalse.