Mittwoch, 28. November 2007
Schluss mit BIB, Treffen mit Oma NR.1
Zurück aus der Bibliothek, hinein ins Leben.
Nachdem ich nun alle nur auffindbaren Lektüren, die die Unibibliothek über 'Retro', 'Vintage', 'Revival' und 'Erbstück' hergab, durchgeackert habe, versuche ich nun heute und die kommenden Tage ein theoretisches Resümee zu erarbeiten.
Gestern hatte ich ein erstes Treffen mit Oma.
Wir haben über vieles gesprochen, auch über Kleidung. Sie hat noch so viele Schätze im Schrank, will diese aber nicht so richtig rausrücken. Da muss ich mich wohl noch etwas mehr anstrengen.
Um zu dokumentieren hatte ich eine kleine DigiCam dabei.
Ganz zufrieden war ich mit dem Treffen aber nicht. Das lag nicht an Oma, eher an mir. Ich wollte eigentlich ganz gerne drauf los machen, nicht lange Konzepte erstellen, wie ich die Kamera positioniere und welches Licht wir haben wollen und wo Oma sitzt. Es sollte nicht so inszeniert rüberkommen, wenn sie mir ihre Modegeschichten erzählt. Doch da war grelles Gegenlicht und ich filmte die ganze Zeit über aus der Hand. Man hörte Oma ganz leise und mich ganz laut. Da komm ich um ein Richtmikrofon für Oma wahrscheinlich nicht rum.
Problematiken:
Wenn Oma erzählt, ist das für mich natürlich interessant, aber ist es auch für andere? Oma ist ein Mensch, der den Krieg hautnah miterlebt hat, der vertrieben wurde und dann in der DDR lebte. Da gibt es nicht wirklich viele Modegeschichten zu erzählen. Viele Kleidungsstücke, die Oma jetzt noch trägt, stammen aus dem 'Päckchen von drüben', also Kleidung, die von anderen gekauft, getragen und dann ausgesondert wurde. Somit geht ein stück weit die Geschichte der Kleidung flöten und ich kann mich nur noch auf die späteren Kleidergeschichten berufen. Die Geschichten, die Oma in dieser Kleidung erlebt hat. Auch habe ich gemerkt, dass ich mich nicht nur auf Oma beschränken kann. Die Familie muss erweitert werden. Viele Sachen stammen z.B. von meiner Tante Christiane, manche auch von meinem Opa. Opa ist 90 Jahre alt und hat zu Kleidung eher ein minder emotionales Verhältnis. Ihm ist Kleidung nicht so wichtig und ich bezweifle fast, dass Opa noch weiß, wann er was in Kleidung wie erlebt hat. Außer im Krieg vielleicht, weil daran erinnern sich Opas fast immer ganz genau.
Trotz alle dem habe ich gestern bei Oma interessante Geschichten gehört über Vertreibung, Kleidung, Schneiderinnen und Feldhamster, die zu Hauf Omas kostbarsten Mantel im Innenteil zieren. 'Dieser Mantel ist 57 Jahre alt' hat Oma gesagt, als wir auf dem Dachboden in ihrem Haus standen und rumgewühlt haben. Wenn wir uns das nächste Mal treffen schauen wir Fotoalben an und da hoffe ich, dass wir auf noch mehr Geschichten stoßen. Das ergibt sich dann ja meistens.
Der Beschluss, dass meine Arbeit in der Familie bleibt, steht fest. Der Beschluss, dass meine Arbeit nicht nur meine Oma umfasst, sondern auch andere Verwandte mit einschließen kann, ist so gut wie sicher. Ich werde dann vielleicht auch für Oma, Opa, Tante verschiedene Outfits anfertigen oder alles bunt mischen. Zu jeder 'verarbeiteten' Person wird es eine Art Steckbrief geben mit Geburtsdatum, Geburtsort, etc..
Das Bild in meinem Kopf ist noch so unklar. Ich bin oft hin und her gerissen, weil ich nicht genau weiß, wo ich den Schwerpunkt setzten soll. Auf die Kleidung, die ich anfertige, auf das Gefühl, welches ich vermitteln will, auf die Präsentation, Inszenierung im Raum zur Verteidigung?
Wo ist die Verbindung? Was verbindet, eint meine Arbeit? Was macht das Gefühl aus, welches ich gerne übermitteln möchte, nämlich dieses Stolz-Sein-Gefühl wenn ich Kleidung trage, die schon Geschichten erlebt, die Welt gesehen hat? Was macht es aus, familiäre Second-Hand-Kleidung zu tragen? Ist es nur die Erinnerung oder ist es vielleicht noch mehr?
Während ich theoretische Texte zum Thema 'Second-Hand' sowie 'Retro', 'Vintage' und 'Revival' aufgearbeitet habe, ist mir aufgefallen, dass es für das Tragen von Second-Hand-Kleidung in der westlichen Welt viele Ansätze und ganz individuelle Beweggründe gibt. Ob aus nostalgischen, romantischen, abgrenzenden, unterwandernden oder egozentrischen Gründen: 'Second-Hand', 'Retro' und 'Vintage' sind in unserer heutigen Welt feste Instanzen der Modeindustrie und Modewelt. Hier gilt es für mich herauszuarbeiten, was ich zu dem Thema sagen will, was Vintage und Retro für mich bedeuten und dass meine Kleidung zwar 'Vintage' ist, aber auf eine so persönliche Art und Weise, dass sie mich erinnern und lächeln lässt.
Donnerstag, 22. November 2007
BIB ich komme!
Heute bis Ende der Woche habe ich ein neues Zuhause namens BIB (Unibibliothek).
Ich suche und recherchiere wie blöd nach und um folgende Schlagwörter herum:
1.Revival
2.Retro
3.Vintage
4.Erbstücke
5.community und die Frage: Was machen andere Künstler zu diesem Thema?
...damit das mit dem Theorieteil auch was wird und sich insgesamt mehr Rundung und übergreifende Ganzheit über meine Arbeit legt (was mich extrem beruhigen würde). Danke.
Montag, 19. November 2007
mein Arbeitskonzept in grob
Produkt
Mein Produkt soll ein Kleidungsstück sein, dass mich stolz macht, mich glücklich macht und mich erinnern lässt. Wenn ich gefragt werde: „Wow, wo hast du das denn her?“ Dann möchte ich nicht sagen: „Aus dem H&M in Erfurt“, sondern ich möchte sagen: „Dieses ist ein Stück, das hat meine Oma immer im Garten getragen, darin hat sie Äpfel geschüttelt und Kartoffelkäfer gesammelt, dieses Stück ist immer mit ihr vom Garten nach Hause auf dem Fahrrad gefahren und jetzt trage ich es und es ist wunderschön.“
Ich möchte ein Gefühl vermitteln. Ein Gefühl von Stolzsein und Selbstbewußtsein. Ich möchte Kleidungstücke machen, die Geschichten erzählen aber trotzdem modisch aktuell sind. Damit meine ich modisch aktuell nach meinen kreativen Vorstellungen. Das Maß aller Dinge bin ich selbst und ich mache die Dinge so wie sie mir gefallen. Ich transformiere Dinge von Damals ins Jetzt. Von Gestern ins Heute und ich transformiere sie so, dass sie mir gefallen, meinen modischen Ansprüchen genügen. In einer raffinierten aber unperfekten Art und Weise werde ich sie liebevoll auseinandernehmnen und vielleicht völlig unerwartet und anders wieder zusammensetzten. Vielleicht entsteht aus einem Rock eine Kaputze oder andersrum. Ich möchte modische Kleider mit Geschichte aufladen und das geht, wenn ich Kleider, die bereits Geschichte haben, zu Neuem verarbeite. Die Produkte meiner Arbeit sollen mehrerer (3-4) Outfits sein, ein Outfit besteht aus ca. 3 Kleidungsstücken + Accessoires, die ich für mich selbst oder Probanten schneidere und sie anschließend dem Thema entsprechend in Szene setze. Für die Verteidigung sehe ich einen gut ausgewählten Raum, passend zum Thema, und ein kleines feines Event mit Publikum, Musik, Laufsteg und/oder Ausstellungsfläche.
Theorie
Was bedeuten Retro und Vintage für mich?
Herangehensweise an das Thema: Omas Schrank und ich. Jedes Teil hat seine Geschichte. Textile Erbstücke, was gibt Oma da eigentlich weiter? Dokumentation des Arbeitsprozesses. Evtl. meine Platzierung in der community.
Dokumentation
...durch
a) Digitalkamera
b) Videokamera (z.B. Geschichten von Opa/Oma live zu den einzelnen Teilen)
c) alte Fotos von früher
d) schriftlich
Herangehensweise: Modegeschichten erzählen
Was macht mich modisch aus? Wo ist die Authentizität, die Echtheit, Mode von Katrin gemacht? Ich liebe Sachen, die Geschichten erzählen, fühle mich glücklich, wenn Altem, schon längst Ausgetragenem, aus der Modegekommenem neuer Lebensmut eingehaucht wird. Wenn Altes neue Luft schnuppert. Wenn Ausgetragenes ein Revival erfährt. Wenn Omas altes Klapprad aus dem Keller nochmal eine Fahrradtour übers Weimarer Land wagt. Wenn persönliche Erinnerungsstücke wieder zeitgemäß tragbar sind.
Ich liebe das Alte, das Verwandte das Bekannte. Alte Dinge sind automatisch aufgeladen mit Geschichte, sie sind schon was, haben schon gelebt in ganz anderen Epochen. Der Mantel von Opa war im Krieg dabei und hat ihm vorm Erfrieren gerettet. Den Rock von Oma kenne ich von einem Foto, da war ich noch nichtmal auf der Welt.
Freitag, 16. November 2007
Bearbeitungszeit beginnt
PENG!
Der Startschuss ist gefallen.
Ab heute beginnt offiziell meine Bachelorbearbeitungszeit. Ich wasche, wasche, wasche. Da ich ohne Stoffe nicht nähen kann und der Brause&Brötchen Fundus zwei Jahre in Kellern eingelagert war, ist eine ordentliche Wäsche mit gut riechenden Waschmittel unabdingbar. Mit Oma habe ich auch schon gesprochen, sie weiß jetzt im Groben was ich vorhabe und freut sich. Das ich evtl. meine Bachelorverteidigung in ihrem Wohnzimmer abhalten will, habe ich ihr aber lieber noch vorenthalten.
Bis nächste Woche, also übers Wochenende, ist mein Ziel, dass doch noch recht grobe Arbeitskonzept zu spezialisieren und Zeitpläne zu erstellen.
Die wichtigsten drei Planungspunkte:
1. Konzept
2. Nähprozess
3. Verteidigung/Abschlussevent
An dieser Stelle noch einen lieben Gruss an Frau Prof. Hill, meiner Betreuerin, und bis morgen, übermorgen, überübermorgen (vielleicht auch mit Bildern).
Mittwoch, 14. November 2007
Irgendwie geht's dann jetzt bald los...
am 16.11.2007 beginnt meine offizielle bachelorbearbeitungszeit. na dann mal in die hände gespuckt!
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