...und ich bin immer noch in der Experimentierphase.
Die Bilder in meinem Kopf verdichten sich. Ich bekomme ständig neue Impulse und Ansatzpunkte, ausgelöst von Momenten in meinem Leben oder Menschen, mit denen ich über meine Arbeit rede. Festgestellt habe ich, dass jeder, ob Professor, Student oder Normalmensch, meine Arbeit, bzw. mein Vorhaben anders begreift, assoziiert und ganz individuell Schwerpunkte setzt.
Ich freue mich natürlich darüber, weil das Ganze zwei große Vorteile für mich birgt:
a) das Thema interessiert also doch und bringt individuelle Bilder und Assoziationen hervor,
b) durch Diskussionen mit verschiedenen Personen werde ich auf neue Sichtweisen aufmerksam.
Nun ist das ja alles schön und gut. Aber wo Vorteile sich tümmeln, sind die Nachteile nicht weit.
So hört ein großer Nachteil auf den Namen 'Verunsicherung', der andere nennt sich fragend 'Katrin, was willst du eigentlich?'.
Ich merke, dass ich unsicher werde, wenn mich jemand fragt: 'Liebe Katrin, wie stehts denn eigentlich mit deinem Bachelor? Erzähl doch mal!' und dann würde ich am liebsten sagen: 'Naja, ist noch in der Experimentierphase.' Fertig.
Da aber die meisten sich nicht damit zufrieden geben, fange ich dann breit flächig an, alle möglichen Konstellationen und Schwerpunktverschiebungen möglichst verwirrend zum Besten zu geben, welches bei meinem Gesprächspartner dann immer wunderbar den Eindruck hervorruft, dass ich eigentlich total ahnungslos, hilflos und verlassen da auf irgendwas zusteuere, was zwar ganz nett aber nicht der Knaller ist. Und ich will einen Knaller!
Ach ich weiß auch nicht, vielleicht hilft mir eine nüchterne, kleine Liste mit verschiedenen Schwerpunktspalten damit ich endlich Stellung beziehe. Auf der einen Seite bin ich reichlich verwirrt und könnte zum jetzigen Zeitpunkt niemanden wirklich erklären was ich da genau machen will. Auf der andren Seite hält sich die Angst, dass ich auf dem Holzweg sein könnte reichlich in Grenzen. Ich bin sogar immer noch fest davon überzeugt, dass ich das alles gut bis sehr gut hin bekomme. Aber Zweifel sind natürlich immer da. Die bleiben nie zuhause. Leider.
Als gute Tat dieser vierten Bachelor Woche zählt eine Unterhaltung mit einer ganz bestimmten Person.
Dieser Unterhaltung fieberte ich schon knapp zwei Wochen entgegen und durch meine unerschrockene Persistenz auf telefonischer Ebene, war ein Tag vor Nikolaus ein kurzfristiges Treffen möglich.
Herr Prof. Wolfgang Kissel willigte, nach meinem leicht konfusen Vorstellungsgespräch dennoch ein, mein zweiter Betreuer zu sein. Ich freue mich aufrichtig und sage: Danke.
Herr Kissel, Prof. für Medienereignisse an der BUW, hatte dann auch sogleich mehrere diverse und für mich sehr interessante Assoziationen zu meiner Arbeit parat und sieht nun abschließend meine Bachelorarbeit unter neuem, folgendem Namen: Änderungsschneiderei.
Ok. Ebenfalls ein Schwerpunktansatz der abzuwägen bleibt.
Mittlerweile war ich auch zum zweiten mal bei Oma.
Ich habe wieder gefilmt, sie hat wieder erzählt. Wir haben Fotos angeschaut und alles war schön und nett.
Dann kam überraschend meine Tante Christiane, mit Klein-Jonas (1) und ihrem Mann Henri, angeheiratet aus der Dom Rep, vorbei. Es ging um Erkältungen und Medikamente, alles war hektisch und der Ofen war aus. Ich stand da mit mal wieder nur 20min Filmmaterial, dafür aber mit Fotografien aus Omas Album. Wenigstens etwas, aber nicht zufriedenstellend. Dazu kam, dass Opa (90) auch erkältet war, eine tiefere Stimme als ein Bariton hatte und er nicht zuletzt von so plötzlichen Müdigkeitsanfällen überrumpelt wurde, dass Oma und ich Angst haben mussten, dass er im Schlaf vom Stuhl kippt. Also viel Aufregung, wenig Ruhe und bei mir meldete sich auch gleich ganz brav und zum wiederholten Male das schlechte Gewissen, ob ich Oma (78) mit meiner kleidertechnischen und narrativen Ausbeuterei nicht doch zuviel aufhalse.
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